Säuglinge kommunizieren mit Ihrer Umwelt. Lernen Sie die Signale Ihres Kindes kennen und reagieren Sie richtig. Manche Zeichen Ihres Kindes sind ihnen vielleicht noch nicht aufgefallen, dabei ist es nicht so schwer. In diesem Elternvideo zeigen wir Ihnen typische Signale. Was Ihr Kind besonders braucht, sind Ihre Nähe, Zuwendung, Liebe und Geduld. Lernen Sie Ihr Kind und seine Signale kennen, so lernen Sie auch das Schreien zu deuten und letztendlich zu verstehen.

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Manche Babys schreien besonders viel und lassen sich kaum beruhigen. Eltern sind dann vielfach verunsichert oder geraten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. In den ersten Lebenswochen und -monaten gehört Schreien bei Babys jedoch zum normalen Alltag. Das hat nichts damit zu tun, dass Sie sich vielleicht zu wenig um Ihr Kind kümmern. Schreien gehört zu den wichtigsten Ausdrucksmitteln jedes Säuglings. Dabei verläuft das Schreiverhalten in den ersten drei Lebensmonaten bei allen Säuglingen sehr ähnlich. Wie häufig, ausdauernd und laut Babys schreien, ist jedoch von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. In der Regel nimmt das Schreien in den ersten beiden Lebensmonaten zu und erreicht meist in der sechsten Lebenswoche seinen Höhepunkt. Denn Ihr Baby ist dabei, einen Rhythmus zwischen Schlafen und Wachsein zu lernen. Nach der sechsten Lebenswoche werden die Schreiperioden in der Regel kürzer, bis sie nach drei Monaten fast oder ganz verschwinden. Alter (ca.) Durchschnittliche Schreidauer pro Tag

  • bis 6. Lebenswoche: 1,5 Stunden
  • ab 6. Lebenswoche: 2,5 Stunden
  • ab 16.Lebenswoche: 1 Stunde

In den ersten drei Lebensmonaten ist das Schreien meist besonders intensiv. Diese sogenannte „rule of threes“ (Drei-Monats-Regel) wurde im Jahr 1954 durch den US-amerikanischen Kinderarzt Morris Wessel eingeführt. Die Gründe dafür wurden von ihm in Verdauungsstörungen – den sogenannten 3-Monats-Koliken – vermutet, was mittlerweile aber widerlegt wurde. Da es ihr einziges Kommunikationsmittel ist, schreien Babys aus vielen verschiedenen Gründen. Während das Neugeborene zunächst noch undifferenziert schreit, ist ein wenige Wochen altes Baby bereits in der Lage, sein Schreien je nach Anlass – beispielsweise Hunger oder Müdigkeit – zu variieren. Schon bald werden Sie wahrscheinlich gelernt haben, die verschiedenen Schreiarten Ihres Kindes (Hunger-, Schlaf- und Zuwendungsschreien) zu unterscheiden. Sie sollten zu jedem Zeitpunkt Ruhe bewahren. Versuchen Sie mit Geduld herauszufinden, was Ihrem Baby fehlt. Schaffen Sie dazu eine ruhige und beruhigende Umgebung. Ohne Fernseher oder Musik fühlt sich Ihr Baby jedenfalls wesentlich wohler. Mit Schreien kann Ihr Kind aber auch mitteilen, dass es zu wenig Anregung bekommt und sich langweilt. Vor allem häufiges Schreien kann aber auch ein Zeichen für Überforderung sein und signalisieren, dass Ihr Kind tagsüber einfach zu wenig Schlaf erhält. Gerade Säuglinge geraten schnell an die Grenze dessen, was sie verkraften können, und reagieren dann oft überreizt und quengeln oder schreien. Schreien kann aber auch ein Hinweis sein, dass sich Ihr Kind körperlich unwohl fühlt und ihm vielleicht etwas wehtut.

Gesunde Babys schreien zum Beispiel, wenn sie …

  • hungrig sind
  • müde sind
  • die Windel voll haben
  • Ihre Stimme hören möchten
  • Körperkontakt brauchen

Sie sehen schon, es ist nicht so ganz leicht, den eigentlichen Grund für das Schreien eines Babys zu ermitteln. Fühlen Sie Sich überfordert, so legen Sie ihr Baby kurz zur Seite, atmen Sie durch und holen sich ggf. Hilfe bei Freunden oder dem Partner / der Partnerin.

Schreien ohne erkennbaren Grund

Manche Babys schreien – je nach Temperament – laut und ausdauernd, manchmal drei oder mehr Stunden am Tag, ohne dass sich hierfür ein Grund finden lässt. Sie haben weder Hunger noch eine volle Windel und lassen sich durch kaum etwas beruhigen. Häufig treten solche „Schreiattacken“ am späten Nachmittag oder in den Abendstunden auf. Diese Schrei- und Unruheepisoden sind in der Regel harmlos und sind meist auf die ersten drei bis sechs Lebensmonate begrenzt. Sie können aber eine starke Belastung bedeuten und an den Kräften und Nerven der Eltern zerren. Vor allem unerfahrene Eltern können hierdurch stark verunsichert werden: Sie können sich das Schreien nicht erklären. Sie nehmen an, dass sie in der Pflege oder im Umgang mit dem Kind Fehler machen, oder sind enttäuscht, dass sich ihr Kind nicht von ihnen beruhigen lässt. Zudem fehlen Eltern häufig Ruhephase, in denen sie abschalten und Kraft tanken können, was schneller zu einer Überforderungssituation führt. So wirkt das Schreien des Babys deutlich belastender für die Betroffenen.

Mögliche Ursachen

Die Erfahrungen zeigen, dass die Ursache für solche ausgeprägten Schrei- und Unruheepisoden im Allgemeinen nicht bei den Eltern, liegt. Vielmehr sind vielfältige Ursachen möglich und verschiedene Faktoren können zusammenspielen:

  • Manchen Babys machen in den ersten drei Monaten Verdauungsprobleme zu schaffen, weil das Verdauungssystem erst noch ausreifen muss.
  • Erfahrungsgemäß haben in vielen Fällen Babys Probleme, in den Schlaf zu finden – sie bekommen tagsüber zu wenig Schlaf, sind überreizt und durch zu viele Eindrücke überfordert.
  • Manche Babys tun sich schwer damit, ihren Schlaf-Wach-Rhythmus zu finden.
  • Manche Babys neigen auch zur Unruhe, haben ein schwieriges Temperament und verlangen ihren Eltern ein besonders feinfühliges Eingehen auf sie ab.

Exzessives Schreien

Wenn ein Kind über längere Zeit (drei Wochen) an mehr als drei Tagen die Woche jeweils länger als drei Stunden schreit und quengelt, spricht man von exzessivem Schreien. Mindestens zehn Prozent der Säuglinge – manche sprechen sogar von 25 Prozent – zeigen ein solches exzessives Schreiverhalten, bei dem sie sich kaum von den Eltern beruhigen lassen.

Was tun, wenn das Baby ohne ersichtlichen Grund schreit

Vor allem, wenn Ihr Kind häufig ohne ersichtlichen Grund schreit und Sie durch zahlreiche schlaflose Nächte schon stark angespannt sind, kann Sie das Schreien zur Verzweiflung bringen. Bitte versuchen Sie niemals, Ihr schreiendes Baby durch Schütteln zur Ruhe zu bringen. Schwere Verletzungen oder sogar der Tod Ihres Kindes können die Folge sein!

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Auch wenn es schwer fällt: Versuchen Sie auf jeden Fall ruhig zu bleiben.

  • Versuchen Sie Ihr Kind zu beruhigen – durch Zureden, Vorsingen, Körperkontakt, sanfte Massage
  • Vermeiden Sie allzu hektische Beruhigungsversuche und probieren Sie nicht zu viel aus. Ihr Kind wird sonst nur überreizt und noch unruhiger.
  • Wenn sich das Kind bereits „eingeschrien“ hat, kann ein Umgebungswechsel oder ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft gut tun. Möglicherweise hilft dies Ihrem Kind und Ihnen, sich zu entspannen und zu beruhigen.
  • Wenn Ihr Kind auch nach längerer Zeit nicht aufhört zu schreien und Sie mit den Nerven fertig sind, ist es sinnvoll, sich mit dem Partner abwechselnd um das Kind zu kümmern.
  • Wenn Sie allein mit Ihrem Kind sind und merken, dass Ihnen das Schreien unerträglich wird, legen Sie Ihr Kind in sein Bettchen oder an einen anderen sicheren Platz und verlassen Sie den Raum, bevor Ihnen „der Kragen platzt“ und Sie vielleicht etwas Unüberlegtes tun.
  • Versuchen Sie, sich selbst zu beruhigen: Hören Sie einige Minuten Ihre Lieblingsmusik, trinken Sie einen heißen Tee oder ein Glas Milch, entspannen Sie sich auf Ihre Art.
  • Rufen Sie Freunde und Bekannte an, die Ihnen vielleicht kurzfristig zur Seite stehen können.

Rat und Hilfe

Schreien ist immer ein „Hilferuf“ nach Unterstützung und bedeutet, dass Ihr Baby Sie braucht: Versuchen Sie herauszufinden, was die Ursache für das Unbehagen Ihres Babys ist, es zu trösten und zu beruhigen.

  • Wenn Ihr Kind ohne ersichtlichen Grund schreit: Nehmen Sie es nicht gleich beim ersten Schreien hoch. Manchmal genügt auch der Blickkontakt mit Ihnen, beruhigendes Zureden oder sanftes Schaukeln, damit es sich wieder beruhigt.
  • Wenn Ihr Baby viel und heftig schreit: Denken Sie daran, dass Ihr Baby sehr zerbrechlich ist.
  • Schütteln Sie es niemals in der verzweifelten Hoffnung, es damit ruhig zu bekommen. Schon ein kurzes Schütteln kann schwere gesundheitliche Schäden verursachen und sogar zum Tod des Babys führen.
  • Geben Sie Ihrem Kind nie Medikamente zur Beruhigung oder Alkohol.

Ihr zuverlässiges und einfühlsames Eingehen auf das Weinen und Schreien besonders in den ersten Lebensmonaten bedeutet keinesfalls, dass Sie Ihr Kind verwöhnen. Vielmehr unterstützen Sie Kind hierdurch: Es hilft ihm zu lernen, seine innere Erregung selbst so zu beeinflussen, dass es sich in seinem Körper wohlfühlt. Und: Säuglinge, die von Anfang an rasch beruhigt werden, schreien in der Regel in den kommenden Wochen weniger. Scheuen Sie sich nicht, Rat und Hilfe zu suchen, wenn Sie merken, dass Ihnen alles zu viel wird und das Schreien Sie stark belastet. Wenn Ihr Baby sehr viel schreit und Ihnen zudem der Nachtschlaf fehlt, ist es verständlich, wenn Sie nervös werden und sich seelisch und körperlich „am Ende“ fühlen. Suchen Sie rechtzeitig Hilfe, wenn Sie das Gefühl haben, Sie verkraften das Schreien nicht mehr.

  • Oft können Freunde und Familie schon Entlastung bringen und Ihnen hin und wieder eine Auszeit ermöglichen.
  • Hilfreich kann auch der Kontakt zu anderen betroffenen Eltern sein.
  • In vielen Orten gibt es inzwischen auch Schreiambulanzen und Beratungsstellen speziell für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern, an die Sie sich wenden können.
  • Wenden Sie sich auf jeden Fall frühzeitig an Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin.

Alltagstipps

Babys, die von Anfang an rasch beruhigt werden, schreien in der Folgezeit meist weniger. Wie viel und wie lange ein Baby schreit, ist von Kind zu Kind ganz verschieden. Durch einige grundsätzliche „Verhaltensregeln“ können Sie jedoch viel dazu beitragen, dass Ihr Kind vielleicht weniger häufig und anhaltend schreit.

  • Reagieren Sie vor allem in den ersten Lebensmonaten möglichst sofort auf das Schreien Ihres Kindes und trösten Sie es. Säuglinge, die von Anfang an rasch beruhigt werden, schreien in den kommenden Wochen meist weniger.
  • Nehmen Sie Ihr Kind nicht gleich beim ersten Schreien hoch. Geben Sie ihm Gelegenheit, sich durch Blickkontakt mit Ihnen, durch beruhigendes Zureden oder sanftes Schaukeln wieder zu beruhigen.
  • Tragen Sie Ihr Kind in den ersten Lebenswochen regelmäßig mehrmals während des Tages herum, und zwar nicht erst, wenn es schreit. Kinder, die so herumgetragen werden, schreien erfahrungsgemäß weniger.
  • Reagieren Sie nicht nur dann auf Ihr Kind, wenn es schreit, sondern schenken Sie ihm immer auch in ruhigen Momenten Ihre Aufmerksamkeit und Zuwendung.
  • Nutzen Sie die Wachphasen Ihres Kindes aus, um mit ihm zu spielen und sich zu unterhalten.
  • Lassen Sie Ihr Kind möglichst viel frei strampeln. Setzen Sie es nicht lange in Babywippen und Ähnliches.
  • Vermeiden Sie zu intensive und abwechslungsreiche Reize – vor allem, wenn Ihr Kind eher unruhig ist und zum Schreien neigt.
  • Überfordern Sie Ihr Kind nicht und respektieren Sie, wenn es durch Blickabwenden signalisiert, dass es genug hat. In den ersten Lebensmonaten ist die Aufmerksamkeitsspanne noch auf wenige Minuten begrenzt und vor allem ein sehr junger Säugling wird schnell müde.
  • Versuchen Sie, Regelmäßigkeiten und Strukturen in Ihren Tagesablauf, zu bringen – entwickeln Sie Routinen bei der Pflege, beim Schlafenlegen und beim Füttern.
  • Achten Sie auf die ersten Ermüdungszeichen und bringen Sie Ihr Kind auch tagsüber regelmäßig zum Schlafen.
  • Nehmen Sie Ihr Kind nicht immer gleich auf und legen es an, wenn es einmal wach wird. Säuglinge wachen durchaus öfter auf, um dann nach kurzer Zeit wieder von allein einzuschlafen.

Folgen des Schüttelns / Kinder mit Schütteltrauma

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